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„Elektronische Musik öffnet den Weltraum“

Aus dem Luftikus ist ein nachdenklicher Familienvater geworden. Adrian Sterns neue CD „Chum mir singed die Songs wo mir liebed und tanzed mit Ihne dur d’Nacht“ klingt anders: Elektronische Musik umarmt die warmen Akkorde seiner akustischen Gitarre.
Was ist passiert? Ein Studiotermin, oder eher: ein Hausbesuch.

Baden im Aargau, ein Reihenhausquartier aus den 80er Jahren. „Stern“ steht an der Tür. Ganz oben in seinem Elternhaus hat Adrian Stern sein Studio eingerichtet, die Türe und
Wände sind gedämmt, unten höre man fast nichts, sagt die Mutter „und es ist ja schöne Musik.“

Da ist Adrian. Und doch nicht ganz. In seinem Kopf ist ein Lied, das hat nicht mitbekommen, dass die Hände die Gitarre schon weggelegt haben. Es summt einfach weiter. Adrians Handgelenk wirft Rhythmen in den Raum, und in seinem Gesicht hat sich dieses Lächeln eingenistet, das für ihn so typisch ist. Die schelmische Unbekümmertheit eines Tagträumers, der Melodien vor sich hersummt – sie verleiht diesem Mann noch immer etwas Bübisches. Stern wird gleich sagen, dass er erwachsen geworden ist und reifer. Er ist zweifacher Papa, Popstar und Profi, ja, es stimmt. Da ist auch ein Ansatz von grauem Haar, und das Buebezimmer ist längst ein ernstzunehmender Arbeitsplatz. Seine Arbeit? Melodien bändigen.

Adrian, in deinem Video zu „Songs wo mir liebed“ tappst du traumwandlerisch leicht über Wracks und Trümmer. Sind es die Trümmer der Welt oder die Trümmer deiner Seele?

Beides. Als ich den Song schrieb, beschäftigte mich Terror und Krieg. Ich kriegte zum Beispiel als Musiker mit, wie Terroristen ein Konzert als Ziel aussuchen. Es geschah aber auch etwas im Persönlichen. Es verändert sich viel wenn man Familie hat. Ich fragte mich: Darf ich noch der sein, der ich war, so jung, positiv, unbekümmert?

Die Antwort?

Ja. Natürlich, ich darf immer noch tanzen und mich an aktueller Musik freuen. Songs aus den Charts zogen mich im letzten Jahr rein wie nie zuvor.

Der Text von „Songs wo mir liebed“ ist persönlich. Die Bilder aber erinnern an Aleppo.
Wir wollten es dunkel und bedrohlich. Es gibt Krieg, Elend und Migration. Ich bin ernster als früher. Ich bewege mich in dieser Welt, von der man nicht weiss, ob sie noch hält und wie lange. Zu Beginn sang ich irgendwelche Texte über die Melodien, sehr intuitiv, reines Kauderwelsch. Dabei kamen immer wieder diese nachdenklichen Sätze, viele, die ausdrückten, dass ich weg will von diesem Wahnsinn. Ich flüchtete ins Musikhören

Und was passierte mit den Texten?
Sie reichten nicht. Ich setzte mich daran, feilte und erdete sie. Sonst wäre es beliebig geblieben und klischiert wie Schlager.

Sie sind aber immer noch schweizerdeutsch.
Musikmachen war für mich immer voller Faszination – das Texten erst, als ich es auf Schweizerdeutsch tat.

Du klingst auch anders: düsterer und schwerer.
Ich fühlte mich sehr aufgehoben in der elektronischen Musik in letzter Zeit. Meine Gitarre macht Zimmermusik. Elektronische Musik aber öffnet den Weltraum.

Wie kam es zu diesem Wandel?
Ich stand letztes Jahr an Open Airs im Publikum und hörte vielen andern zu. Ich stand da und mir wurde klar: Ein fetter, tiefer Bass und ein dumpfer Beat, darüber eine akustische Gitarre – das ist es, was ich machen will: Meine akustische Gitarre, die von einer elektronischen Welt umarmt wird. Das war am Anfang, und das Schönste war zu merken, dass ich dann mit diesem unbewussten Musikmachen sehr weit komme, zunächst alleine, dann zusammen mit Thomas Fessler und am Ende beim mischen mit Sir Jai, dem DJ von Kool Savas, dieser Mann schraubt noch in den tiefsten Frequenzen rum, dort, wo die meisten gar nicht runterdenken würden.

Diese Bässe geben den Songs Boden, teils novemberschwer. Ist dir eine Beziehung zerbrochen?
Nein. Wir sind schon sehr lang zusammen, meine Frau und ich und wir lieben einander sehr. Es ist eine grosse schöne Beziehung. Dadurch können wir auch zulassen, wenn es nicht einfach ist. Wir dürfen Probleme haben. Durch Kinder und wenig Schlaf tauchen solche öfter auf. Ich kann nicht mehr diese einfachen Love-Songs schreiben. Es ist mehr zwischen uns, und es ist tiefer. In dieser Tiefe kann dann auch Schmerz und Melancholie auftauchen.

Gibt es dafür ein Beispiel?
Der Song „Los nöd uf mich“. Ich schrieb ihn, als ich feststellte, dass ich an ihr rumnörgelte.

Woran hast du rumgenörgelt?
An ihrem strukturierten Wesen. Ich will nicht immer planen. Ich mag es, wenn es Zeiten gibt, wo einfach mal nichts ist. Dieser Leerraum ist auch wichtig für meine Musik.

Hier der Popstar, da der Papa. Geht das?
Es war schwierig, das Songschreiben fiel mir schwer. Es war zur lästigen Hausaufgabe geworden, bei der ich oft nicht weiterkam. Der Anspruch, nochmals dasselbe zu liefern wie in den letzten beiden Erfolgsalben, hatte mich ausgelaugt. Dazu kamen die Ansprüche der Familie: Man ist ein bisschen im Studio und schon ist wieder Wochenende. Unsere Mädchen sind jetzt zwei und vier. Ich schrieb oft zwischen Windeln und Haushalt zuhause in der Nacht an Liedern. Wir versuchen uns je zur Hälfte einzubringen. Das ist anspruchsvoll und ich glaube, das beschäftigt jede moderne Familie, in der beide arbeiten, kochen und Wäsche machen. Mein Bedürfnis, Lieder zu machen, hat nie Feierabend. Und die Familie hat keine Grenzen. Man ist ständig irgendwie halb.

Auf dem CD-Cover zieht dich jemand am Pulli.
Meine Frau, ja, das war aber ein Zufall. Es geschah durchs Rumexperimentieren beim Fotoshooting. Dieses Ziehen hat am Ende viel erzählt. Ich lasse die Kita-, Baden-, Quartierliwelt gerne hinter mir, um ins Weltall von Bässen und Gitarren einzutauchen. Aber die andere Welt ist viel wichtiger als das, was ich als Musiker bin.

Deine Texte: Ist es dein Leben, das du da erzählst?
Wenn ich ganz grosse Songs höre, sind sie immer sehr persönlich, aber doch so formuliert, dass es universal wird. Gute Songschreiber verzichten auf tagebuchartige Beschreibungen.

Und dennoch ist dein Album wieder eindeutig Adrian Stern.
Ja, es ist der Hoffnungsschimmer am Horizont. Er begleitet mich durchs ganze Leben. Meine Musik wird ihn immer haben. Ich liebe Happy Ends.

Album Kurztext

3 Jahre sind seit seinem letzten Album „1&1“ vergangen. In der Zwischenzeit hat Adrian Stern eine neue Leichtigkeit des Songschreibens entdeckt, hat den inneren Kontrollfreak auf die Reservebank geschickt und seiner Intuition freien Lauf gelassen. Akustisch und elektronisch, tanzbar, leicht und mit einem guten Auge für die Dinge die unser Leben prägen, präsentieren sich die Songs auf seinem neuen Studioalbum „Chum Mir Singed Die Songs Wo Mir Liebed Und Tanzed Mit Ihne Dur D’Nacht“, welches am 11. November erscheint. Für die Produktion seines hiermit sechsten Albums zeichnen sich Adrian Stern und Thomas Fessler verantwortlich.

Entweder-Oder mit Adrian Stern

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